Gepostet von am 22. Januar 2019 im Allgemein, Fachartikel | Keine Kommentare

Das bundesfinanzierte Forschungsprojekt «Ganzheitliches Risk Management in Schweizer Spitälern», das in einer Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern, der Insel Gruppe Bern, H+ Bildung und new-win SW Solutions AG durchgeführt wird, zeigt neue Möglichkeiten im Risk Management auf. Szenariobasierte Risikobeurteilung und Simulationen lösen die klassische Risikomatrix-Beurteilung ab.

 

Risk Management-Prozesse starten oft mit einer sehr allgemeinen Beschreibung von verschiedenen Risiko-Events – ohne diese weiter zu präzisieren. Anschliessend wird die Bewertung traditionellerweise turnusabhängig nach Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit in einer zweidimensionalen Risikomatrix (Risk Map) abgebildet. Mit farbigen Flächen (Ampelsystem) auf der Matrix wird versucht, das Risiko bestmöglich einzuordnen und entsprechende Behandlungsstrategien abzuleiten. Diese simple Vorgehensweise kann in einigen Fällen durchaus geeignet sein, um Risiken abzubilden. Sie werden jedoch damit isoliert und ohne Unternehmenszielbezug im Risikoportfolio geführt. Für eine unternehmensweite Risikosteuerung in einem modernen ERM genügt dieser Ansatz nicht mehr.

 

Zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden

Anstelle der klassischen Risikobeschreibungen werden vollständige Risikoszenarien entwickelt. Die Szenarien beschreiben einerseits die Ursache und andererseits die Umstände, aus denen das eigentliche Risiko entsteht. Als Konsequenz werden auch die Risiko-Auswirkungen im Schadensfall detaillierter beschrieben. Schliesslich wird die ganze Ursachen-Wirkungskette von jedem Risiko beschrieben.

 

Glaubwürdiger Worst Case (GWS)

Für jedes identifizierte Risiko wird als Erstes ein glaubwürdiges Worst-Case Szenario (GWS) entwickelt. Jedes Unternehmen muss sich zwingend mit sehr pessimistischen Szenarien auseinandersetzen und sich überlegen, wie mit diesen im Falle eines Risikoeintritts umgegangen werden kann. Der GWS entscheidet darüber, ob ein Risiko für die Unternehmung relevant ist oder nicht. Überschreitet der GWS einen bestimmten Schwellenwert, wird das Risiko zu einem Top-Risiko aus Gesamtunternehmenssicht klassifiziert und in der Folge über weitere Szenarien quantifiziert. Fachexperten entwickeln für alle Top-Risiken bis zu fünf verschiedene Szenarien. Diese Szenarien werden durch die Entscheidungsträger geprüft und bewertet.

 

Simulation

Das ERM Risikoportfolio beinhaltet alle quantifizierten Top-Risiken und deren durch Menschen eingeschätzte Szenarien. Diese Szenarien aus dem Risikoportfolio können nun einer Simulation unterzogen werden. Auf die Verwendung statistischer, meist nicht genau passender Verteilungsfunktionen kann dabei verzichtet werden,

Durch die geschickte Verknüpfung der Risikoszenarien mit ausgewählten Finanzkennzahlen lassen sich vom Risikoportfolio die Auswirkungen auf die Plangrössen ohne weitere Berechnungen ablesen. So ist zum Beispiel sofort ersichtlich, ob ein Risikoappetit überschritten wird und weitere Massnahmen am Risikoportfolio notwendig sind. Auf einfache Weise können Hebelwirkungen von einzelnen Risiken und Szenarien erkannt werden. Dies schafft eine ideale Basis für Entscheidungsträger, ob sie einzelne Risiken akzeptieren können oder gegebenenfalls Massnahmen ergriffen werden müssen, damit die Unternehmensziele erreicht werden können.

 

Im Rahmen des Innosuisse-Projektes entwickelt die new-win SW Solutions AG eine ideale Lösung, um diese innovative Vorgehensweise im ERM zu unterstützen. In einem nächsten Projektschritt wird die Insel Gruppe als Forschungspartner das neue ERM-Konzept anhand dieser Software-Lösung in diesem Jahr einführen. Für Fragen zu diesem Tool können Sie sich gerne an den Verantwortlichen bei new-win SW Solutions AG wenden:

 

Thomas Schneeberger

Senior Consultant Risk Management

t.schneeberger@newwin-sws.ch

 

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: